Diagnoseverfahren, die an die Nerven gehen.

Schild mit Aufschrift Multiple Sklerose

Die Diagnose der MS richtet sich heute an den McDonald-Kriterien aus, die zuletzt im Jahr 2010 überarbeitet wurden, und seither der MRT (Magnetresonanztomografie) ein größeres Gewicht zumessen. Die Diagnose MS wird gestellt, wenn die Kriterien erfüllt sind und sich keine bessere Erklärung der Symptomatik anbietet.

Bei der Diagnostik spielen Anamnese, Nachweis neurologischer Ausfälle und Verfahren wie MRT und Liquoruntersuchung (bei Verdacht auf primär-chronisch progrediente MS) eine zentrale Rolle. Bei der Anamnese wird nach Hinweisen auf frühere Symptome oder erste Anzeichen der Multiplen Sklerose in der Geschichte des Patienten gesucht. Auch Erkrankungen in der Familie spielen eine Rolle.

Die klinisch-neurologische Untersuchung überprüft, ob für die MS typische neurologische Ausfälle auftreten. Dabei spielen Sehfähigkeit, Sensibilität der Haut, Koordination, Gleichgewicht, Reflexe und Beweglichkeit verschiedener Muskeln eine Rolle. Vorzugsweise findet dabei die Expanded Disability Status Scale (EDSS) Anwendung.

Mittels evozierter Potentiale (EP) wird die elektrische Aktivität des Gehirns bei Stimulation spezifischer sensorischer Nervenbahnen durch Drähte auf der Kopfhaut gemessen. Dadurch kann die Beeinträchtigung der elektrischen Leitung durch die Demyelinisierung der Nervenzellen festgestellt werden. Hauptsächlich werden der Sehnerv, Nerven des Beins, des Gesichts und der Hand für den Test verwendet.

Bei Hinweisen auf Multiple Sklerose wird die MRT eingesetzt, die einen herausragenden Stellenwert in der Diagnosestellung bei MS besitzt. Die Myelinschicht, die die Nervenfasern umhüllt, besteht überwiegend aus Fett, und stößt daher Wasser ab. An Stellen, wo die Myelinschicht beschädigt ist, erhöht sich daher der Wassergehalt. Die Läsionen zeigen sich dann bei der MRT-Untersuchung entweder als heller weißer Fleck oder als dunklerer Bereich, abhängig vom verwendeten Scan-Typ. Mittels MRT kann auch die Progression der Erkrankung verfolgt werden.

Die Liquoruntersuchung spielt eine zentrale Rolle, sowohl zur Abgrenzung gegen durch Erreger verursachte Erkrankungen, als auch zum Nachweis von Liquorbestandteilen, die für eine chronische Entzündung typisch sind. Dabei erfolgt unter Lokalanästhesie eine Lumbalpunktion zur Entnahme von Rückenmarksflüssigkeit, die auf Hinweise auf Autoimmunreaktionen im ZNS untersucht wird. Bei MS finden sich typischerweise erhöhte Spiegel bestimmter Antikörper (IgG), erhöhte Anzahl bestimmter Arten weißer Blutkörperchen (Lymphozyten und Monozyten), sowie charakteristische Bandenbildung von Laboruntersuchungen (oligoklonale Banden) des Liquors. Häufig werden weitere Laboruntersuchungen durchgeführt, um andere in Frage kommende Erkrankungen auszuschließen.

Referenzen:
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-050l_S2e_Multiple_Sklerose_Diagnostik_Therapie_2014-08_verlaengert.pdf (aufgerufen am 05.10.2016)
M. Kip et al. (Hrsg.), Weißbuch Multiple Sklerose, 2016, DOI 10.1007/978-3-662-49204-8